GGL geht härter vor: Was die neuen Maßnahmen für Spieler und Anbieter bedeuten
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat im Juli 2025 eine deutliche Eskalation ihrer Durchsetzungsmaßnahmen verkündet. Abmahnungen gegen illegale Glücksspielaffiliates und Mediaplattformen, Ordnungswidrigkeitsbescheide mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro pro Fall und über 30 Payment-Blocking-Anordnungen gegen Zahlungsdienstleister, die Transaktionen für nicht lizenzierte Anbieter abwickeln. Das ist kein bürokratisches Routinerauschen mehr. Die Behörde meint es ernst, und GGL-Präsident Ronald Benter hat das intern wie extern unmissverständlich kommuniziert.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland kommt diese Nachricht spät, aber nicht zu spät. Wer regelmäßig soziale Netzwerke nutzt oder Sport-Livestreams schaut, kennt das Phänomen: Werbung für Online-Casinos taucht scheinbar überall auf, bunt, dringend, oft mit Bonusversprechen, die zu gut klingen, um seriös zu sein. Dass ein Großteil dieser Werbung schlicht dem Schwarzmarkt Online-Glücksspiel zuzurechnen ist und gegen deutsches Recht verstößt, wissen die wenigsten.
92 Prozent der Werbung stammt von illegalen Anbietern
Ein Bericht des Analysedienstleisters Yield Security hat die Dimension des Problems für 2024 beziffert: 92 Prozent der Online-Glücksspielinhalte, die EU-Bürger zu Gesicht bekommen, bewerben illegale Anbieter. Diese schwarzen Plattformen haben im vergangenen Jahr zusammen rund 80,6 Milliarden Euro umgesetzt, was 71 Prozent des gesamten EU-Glücksspielmarktvolumens entspricht. Man muss diese Zahl kurz sacken lassen. Der legale Markt ist tatsächlich die Minderheit.
In Deutschland hat der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) einen regulierten Rahmen geschaffen, der Spielerschutz, Spielsucht-Prävention und transparente Lizenzierung verpflichtend macht. Die Glücksspielstaatsvertrag 2021 Werbebestimmungen schreiben außerdem vor, dass Anbieter keine aggressiven Werbepraktiken gegenüber gefährdeten Personen betreiben dürfen. Lizenzierte Anbieter müssen Einzahlungslimits akzeptieren und an das Sperrsystem OASIS angebunden sein, das gesperrte Spielerinnen und Spieler zuverlässig vom Spiel ausschließen soll. Illegale Anbieter tun nichts davon. Sie werben trotzdem, oft lauter und aufdringlicher als die legalen.
Zahlungssperren als härteste Waffe der GGL
Was mich an den jüngsten GGL-Maßnahmen besonders aufhorchen lässt, sind nicht die Bußgelder an sich, sondern die Payment-Blocking-Anordnungen gegen Zahlungsdienstleister im Glücksspielbereich. Wenn Kreditkartenanbieter und andere Zahlungsdienstleister angewiesen werden, Transaktionen zu illegalen Glücksspielplattformen zu blockieren, wird es für diese Anbieter operativ unangenehm. Warnungen kann man ignorieren. Wenn das Geld nicht mehr fließt, ist das ein anderes Gespräch.
Über 30 solcher Anordnungen in einem einzigen Tätigkeitsbericht sind ein Signal, dass die GGL die Geduldsphase hinter sich gelassen hat. Parallel dazu werden IP-Blocking-Maßnahmen und DNS-Sperren durch Provider diskutiert, die illegale Glücksspielseiten technisch unzugänglich machen sollen. Das betrifft auch das Affiliate-Marketing für illegale Glücksspielangebote, also Webseitenbetreiber und Influencer, die für Provision Nutzer auf nicht lizenzierte Casinos weiterleiten. Ein unerlaubtes Glücksspiel Ordnungswidrigkeitsbescheid über 50.000 Euro kann für kleinere Betreiber existenzbedrohend sein. Das dürfte kalkuliert sein.
Bemerkenswert ist auch, dass die GGL seit September 2024 eine Whitelist-Pflicht für Google Ads durchgesetzt hat. Wer über Google-Anzeigen für ein Online-Casino wirbt, muss nachweislich auf der offiziellen Online Casino Lizenz Deutschland Whitelist stehen. GGL-Vizepräsident Benjamin Schwanke hat diese Kooperation mit Google öffentlich als wichtigen Schritt bezeichnet. Ob Google Ads das konsequent umsetzt, bleibt abzuwarten, aber der strukturelle Hebel ist da.
Wie Spielerinnen und Spieler seriöse Anbieter erkennen
Die eigentliche Frage für Verbraucher ist praktischer Natur: Wie unterscheide ich beim nächsten Klick auf eine Casino-Werbung einen lizenzierten Anbieter von einem schwarzen Marktplatz? Ein paar Hinweise helfen dabei.
Erstens: Jeder in Deutschland legal tätige Anbieter hat eine GGL-Lizenznummer, die er öffentlich ausweisen muss. Diese findet sich üblicherweise in der Fußzeile der Website. Ist dort nichts zu sehen, oder steht dort eine Lizenz aus Malta oder Curaçao ohne ergänzende deutsche Zulassung, dann gilt Vorsicht. Zweitens: Lizenzierte Plattformen stehen im öffentlichen Whitelist-Register der GGL, das online einsehbar ist. Das dauert zwei Minuten und kann vor viel Ärger bewahren.
Wer sichergehen will, dass ein Anbieter unter dem GlüStV 2021 lizenziert ist, kann dies etwa bei Plattformen wie vincispin-de.com direkt in der Fußzeile der Website anhand der GGL-Lizenznummer überprüfen. Das ist keine Garantie für ein unterhaltsames Spielerlebnis, aber es ist der erste und wichtigste Schritt zum Schutz des eigenen Geldes und der eigenen Daten.
Drittens sollte man auf unrealistische Willkommensboni achten. Angebote wie "500 Prozent auf die erste Einzahlung" sind oft ein Zeichen dafür, dass der Anbieter keine regulierten Mindeststandards einhält. Das Werbeverbot für Online Casinos gegenüber Influencern und Streamern gilt im lizenzierten Bereich ausdrücklich, solche Extremversprechen sind damit schlicht unzulässig. Wer sie trotzdem sieht, hat vermutlich einen Schwarzmarktanbieter vor sich.
Was die Durchsetzung jetzt leisten muss
Die GGL-Maßnahmen sind überfällig und grundsätzlich begrüßenswert. Aber die strukturelle Herausforderung bleibt enorm. Wenn 92 Prozent der Werbung, die europäische Nutzer sehen, von illegalen Quellen stammt, dann reichen Abmahnungen gegen einzelne Affiliates nicht aus, um das Fundament zu erschüttern. Ein Lizenzentzug bei Glücksspielanbietern wegen Verstößen gegen die Sanktionsregeln des GlüStV ist das eine. Das andere ist die Frage, wie man Anbieter trifft, die in Deutschland nie eine Lizenz beantragt haben.
Hier käme der Digital Services Act (DSA) ins Spiel, der Plattformen wie Google und Meta stärker in die Pflicht nehmen könnte, illegale Werbeinhalte zu entfernen. Bislang profitieren diese Plattformen von den Werbeeinnahmen illegaler Casinos, ohne dafür ernsthaft zu haften. Das Oberverwaltungsgericht in Sachsen-Anhalt, zuständig für Klagen gegen GGL-Entscheidungen am Sitz der Behörde in Halle (Saale), hat in bisherigen Verfahren die Durchsetzungsbefugnisse der GGL im Wesentlichen bestätigt. Auch eine engere Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) könnte helfen, Geldflüsse zu illegalen Plattformen früher zu identifizieren.
Solange algorithmische Werbeanzeigen illegaler Casinos auf deutschen Bildschirmen erscheinen, ohne dass die Plattformbetreiber dafür haften, bleibt die Durchsetzung ein Laufband: Man nimmt einen Anbieter heraus, drei neue tauchen auf. Die GGL hat mit den Zahlungssperren und dem IP-Blocking-Ansatz gegen illegale Glücksspielseiten interessante Hebel gefunden. Ob die reichen, wird sich in den nächsten Tätigkeitsberichten zeigen. Die eigentliche Frage für 2026 lautet: Wird die Behörde auch die großen Werbeplattformen selbst konsequent in die Pflicht nehmen?